Relativität und Absolutheit

Kann man Gesetze aus der Natur mit Gesetzen der Theologie vergleichen?

Im Allgemeinen wahrscheinlich nicht, aber ich möchte mir diesmal ein paar Gedanken über das Relativitätsprinzip machen.

Dieses besagt, etwas flapsig formuliert, dass ein Gesetz nur dann ein Naturgesetz im eigentlichen Sinn sein kann, wenn es für alle Beobachter gültig ist, also unabhängig von deren Bewegungszustand.

Ein Naturgesetz, welches nur für einen stillstehenden Beobachter gilt, aber nicht für einen Autofahrer, ist in diesem Sinne zum Beispiel kein Naturgesetz.

Das Relativitätsprinzip besagt also, dass Naturgesetze für absolut alle Beobachter gelten müssen.

Was sind jetzt also diese Gesetze, die in allen Bezugssystemen gelten, sodass bezüglich dieser Gesetze kein Bezugssystem bevorzugt ist? Gibt es Ethik und Moral unabhängig von einer bestimmten Religion, bzw. kann man dieselbe Ethik in alle Religionen „transformieren“?

Natürlich bevorzuge ich persönlich eine bestimmte Religion, nämlich „meine“ Religion, in der ich meine „Wurzeln“ habe, aber zum Erwachsenwerden gehört auch dazu, dass man Toleranz lernt, und – na ich möchte es einmal „transformieren“ nennen.

meint
Christoph Peter

22 Responses to Relativität und Absolutheit

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Das Thema ist freilich unerschöpflich.

    Wie kann es zb. sein, dass -ich rede jetzt von meinem Standpunkt – das Christentum „wahr“ ist, also Jesus Christus, der Sohn Gottes, Erlöser;

    und zugleich

    die Buddhisten viel größere Meister des Gebets haben; die menschliche Körper mit „chi“ durch die Gegend werfen;

    die Hinduisten Meister haben, die Jehrzehntelang nichts essen müssen, und unsere Ärzte vor Rätsel stellen;

    der Islam gesellschaftlich „energetischer“ ist (die halten sich an den Ramadan!).

    Christus war der Meister der Meister, und auch wenn ich in der Nachfolge unwürdig bin, so glaube ich, dass er der Urheber des Heils ist, auch für den buddhistischen Meister. Was er kann, kann er durch und mit Christus. Das stärkt zugleich meinen Glauben, und lässt mich Toleranz üben, denn offensichtlich können Vertreter anderer Religionen würdiger leben, als ich.

    Das ist kein Grund, zu resignieren, sondern den guten Weg weiterzugehen.

    mfg KNI

  2. Yeti sagt:

    @KNI

    ich glaube auch, man sollte sich an den Satz halten „Schuster, bleib‘ bei Deinem Leisten“.

    Da war ein Religionslehrer, da spürte man, „dieser Mensch ist etwas Besonderes“, und auch andere Vorbilder in der Jugendgemeinschaft.

    Also akzeptierte man: „Das Christentum ist etwas Besonderes“, denn diese Menschen legten Zeugnis ab für Christus.

    Aber im Laufe der Zeit verblassen diese Gestalten, und man kommt zu der Einsicht: Jeder Mensch ist etwas Besonderes.

    Natürlich stellt jede ernstzunehmende Religion den Absolutheitsanspruch – sonst könnte man sie gar nicht ernst nehmen.

    Aber ist es wirklich so wichtig, ob man ein „Meister“ ist oder nicht?

    fragt sich
    Christoph Peter

  3. PinkPanther sagt:

    laut o.a. Link folgt aus dem Relativitätsprinzip auch die Unmöglichkeit, einen Bewegungszustand absolut gegenüber einem ausgezeichnetem Bezugssystem anzugeben, sondern eben dur die BEwegung der Objekte relativ zueinander.
    In der Philosophie entspricht dem am ehesten vielleicht der Konstruktivismus: es kann keine absolute Wahrheit geben, sondern eben nur die relativen Sichtweisen der Beobachter zueinander.
    Und meiner momentanen Meinung nach: nein, es gibt keine absolute Ethik oder Moral ohne die „Beobachter“, die Menschen, die sozialen Systeme, für die diese Ethik und Moral gelten. Auch nicht von irgendwo hoch oben…

  4. PinkPanther sagt:

    Ergänzung: das schließt nicht aus, dass es sehr allgemeingültige Leitlinien geben kann, die aber wieder nur im Kontext dieses Kosmos relative Bedeutung haben. Diese würde ich aber wiederum nicht als von außen, von irgendeiner absoluten Instanz vorgegeben sehen.

  5. Yeti sagt:

    P.S.: mittlerweile gibt es die dritte Version der Drehbuchskizzen: https://zweitersein.files.wordpress.com/2011/03/skizzen3.pdf

    Diesmal geht’s noch immer um den Bigamisten. Aber er tritt als Person in den Hintergrund.

    Es geht jetzt um ein fremdes Kind, nämlich Conrad Peter, den Sohn eines militaristischen Blumenhändlers. Conrad Peter verübt ein Attentat und kommt in weiterer Folge in Kontakt mit der ersten Frau des Bigamisten. Weiters besteht er mit den Kindern der zweiten Frau einige Abenteuer und lernt insgesamt einen „neuen Weg“ kennen.

    Lg
    Christoph Peter

  6. Yeti sagt:

    @PinkPanther:

    Du erinnerst Dich: „Es gibt keine absoluten Wahrheiten! Punctum.“ 😉

  7. Yeti sagt:

    P.S.

    und noch eine absolute Wahrheit zum Thema „virtuelle Modelleisenbahn“: http://simulrr.wordpress.com/2011/04/04/srrtrains-step-0033-will-not-reach-all-goals/

    So long
    Christoph

  8. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti: Obs gut ist, Meister zu sein, oder nicht, hängt von der Definition ab: NEIN, nicht jeder Kardinal ist ein Meister.

    „Ihr alle aber seid Brüder“

    Bruder Franz (der aus Assisi) war wohl ein Meister

    …..

    mfg KNI

  9. Kardinal Novize Igor sagt:

    @yeti:

    die absolutesten sind wohl die totalen Relativisten:

    „jede Wahrheit ist gleich wahr“…blabla.

    Weil: Diese Leute sehen von oben als scheinbar objektiver Beobachter auf alles herab, und setzen daher vor allem sich selbst absolut. Sie ernennen, ohne sich freilich mit irgendeiner Religion näher beschäftigt zu haben (zwangsläufig, denn jeder Glaube braucht seine Zeit), einfach alle für „wahr“, als ob Wahrheit von ihrer Gnade abhinge…..für mich ist das Arroganz in destillierter Form.

    …..und freilich verrät sich diese Pseudotoleranz ununterbrochen: konfrontiert man solche Typen mit einer klaren Meinung, bist Du bei denen unten durch, oder sie reagieren gleich aggressiv (weil man ihren Herrschaftsanspruch verletzt).

    mfg KNI

  10. PinkPanther sagt:

    @Yeti: tja, unterscheiden wir zwischen Wortspielen und Metakommunikation. „Alle Kreter lügen“ etc….
    Unsere Sprache wird immer problematisch bei selbstbezüglichen Aussagen, andererseits sind solche in einem komplexen selbstbezüglichen System unvermeidbar.
    Einigen wir uns vielleicht auf die Formulierung: ich kann mir keine Instanz vorstellen, die außerhalb des Ganzen steht und eine absolute Wahrheit erzählen kann, sondern sobald eine solche (unvorstellbare) gedachte Instanz das täte, würde sie sich selbst ins System einbringen und nicht mehr außerhalb stehen.
    Es ist somit „Wahrheit“, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern eine Folgerung aus dem MODELL (und nichts anderes sind unsere Formulierungen, Gedanken und Sichtweisen) des Kostruktivismus.
    Daneben gibt es auch andere Modelle, und mir dienen Modelle als Hilfestellung bei Entscheidungen bzw. im Leben allgemein. Ein bestimtmes Modell bewährt sich für mich durch Erreichung meiner Ziele. Solche können vielfältig sein: ein glückliches Leben, Liebe, viel Geld, Erkenntnis, Selbstwert, Wichtigkeit, ….

  11. PinkPanther sagt:

    @KNI:
    Unterscheidung und Urteilen ist nicht grundsätzlich böse, wird aber in der Praxis oft an unpassender Stelle angewandt. Im Falle der Religionen würde ich mich aus heutiger Sicht mit dem momentan mir zur Verfügung stehenden beschränktem Kenntnisstand wohl zu einem „keine kann die absoulte Wahrheit für sich beanspruchen“ hinreißen lassen. Insoferne auf eine bestimmte Art alle „gleich wahr“, wobei ich bei diesem Begriff nicht sicher bin, ob wir damit dasselbe meinen.
    Trotzdem kann ich mich für betimmte moralische Regeln entscheiden, und nicht alle ablehnen, weil sie eh alle „unwahr“ sind. Geb dir dahingehend Recht, dass Relativismus nicht als Ausrede zum Vermeiden von Entscheidungen missbraucht werden darf. Das ist ja die Herausforderung im realen Leben: ich muss Entscheidungen treffen, ohne alle Fakten 100% zu kennen und im Wissen, dass es dafür vielleicht nie ein absolut „richtig“ oder „falsch“ gibt, ansonsten könnt ich alle Entscheidungen einem Computer überlassen und er würde mein Leben „optimal“ (ja für welche Ziele denn?) leben.

  12. PinkPanther sagt:

    Lustig, wenn ich jetzt noch einmal die letzten paar Beiträge durchdenke, komme ich zu dem Schluss, dass Gott der perfekte totale Relativist ist 🙂
    Natürlich nur für meine relative Sichtweise als Bestandteil des und innerhalb des Systems

  13. Kardinal Novize Igor sagt:

    @PP:

    Keine Sorge, das war nicht gegen Dich gerichtet.

    Du machst Dir ja Gedanken darüber.

    Ich hab zb. mal so einen greisen Mediziner (Biologen?) im Fernsehen gehört, ein selbstherrlicher Tattergreis, der ungefähr so was gesagt hat: „Ja, wenn uns Religion gut,tut warum sollen wir nicht einfach daran glauben?“ -Als ob es seine, des Tattergreises Entscheidung wäre, wer woran glaubt! Als ob man sich das von „oben herab“ aussuchen könnte! DAS meine ich mit arrogantem Relativismus!

    Ich meine jene Relativisten, die, wenn zwei (oder mehrere) unterschiedlichen Glaubens diskutieren, auf einmal von außen in die Diskussion hereinbrüllen: „Ihr habts alle Recht! Also könnt ihr (weil ICH es euch gesagt habe) jetzt aufhören zu diskutieren!“ Damit behandeln diese Relativisten er alle anderen wie eine Kindergartentante ihre Kindergartenkinder…..

    ….nur dass sie von der Diskussion keine Ahnung, von der laufenden Diskussion haben, und ihnen selbst das Basiswissen fehlt, wer recht haben könnte, und wer nicht. Aber wie gesagt, Du warst damit nicht gemeint, verehrter rosaroter Panther!

    mfg KNI

  14. Kardinal Novize Igor sagt:

    @PP …..Kurzum, weil solche Relativisten ihren Satz „Ihr habts eh alle recht!“ – jenen Wichtigmacher-Satz, jenen Oberflächenpolitur-Satz, als ABSOLUT sehen, solche Kleinigkeiten aber, ob es zb. Gott gibt oder nicht, als relativ.

    mfg

  15. Yeti sagt:

    @KNI

    Na ja, es ist halt mal ein menschlicher Trieb, dass man gerne *recht haben* möchte.

    Und auch der *absolute Relativist* folgt halt nur einem Trieb.

    Hier auf diesem Blog versuchen wir, einen gewissen Gleichmut walten zu lassen, der nichts mit Gleichmacherei zu tun hat und auch nichts mit Gleichgültigkeit.

    Denn du weisst: wenn alles gleich gültig ist, ist am Schluß alles gleichgültig.

    meint
    Christoph Peter

  16. Yeti sagt:

    @PinkPanther

    Wenn Du sagst, dass in gewissem Sinne alle Religionen die Wahrheit besitzen, muss ich das unterstützen.

    Denn eben, weil wir sagen, es gibt nur einen Gott, eben deswegen, müssen wir davon ausgehen, dass sich alle Religionen mit demselben Gott, oder zumindest mit demselben Himmel beschäftigen.

    Zumindest beschäftigen sich alle mit demselben Universum (was ich von der Multiversums-Theorie halte, habe ich ja bereits kundgetan), und somit ist es ein und dieselbe Wahrheit, über die wir kommunizieren, es sind bloß verschiedene Codes.

    Das zumindest mal als Denkansatz.

    meint
    Christoph Peter

  17. Yeti sagt:

    @KNI, @PinkPanther

    Und dennoch möchte ich die wöchentliche Eucharistiefeier nicht missen, denn das Christentum ist etwas Besonderes, zumindest für mich.

    Und aus meiner pesönlichen Geschichte kann ich nur erzählen, dass ich meine psychischen Probleme nur mit den Erklärungen aus den Schatzkammern meiner Religion einigermaßen in den Griff bekam.

    Schuster, bleib‘ bei Deinem Leisten.

    meint
    Christoph Peter

  18. Kardinal Novize Igor sagt:

    Halleluja, Amen.

    Der Sonntag is schön.

    Wie hat es in einer Kirche, bei der hl. Wandlung, einmal geheißen? „Hier findet die größtmögliche Liebe statt.“

  19. PinkPanther sagt:

    @KNI: danke, ich wollte das auch nicht als Rechtfertigung oder Verteidigung verstanden wissen, sonern als aktiven Diskussionbeitrag 😉

    @Yeti: ja, ich nimm ja niemandem seinen Glauben weg, ich selbst habe für mich unverständliche Erfahrungen damit gemacht, die ich nur dahingehend einornden konnte, dass offenbar diese ganz traditionellen Zugänge auch wichtig sein können, weil sie eben einen (durch Erziehung/Kultur) wohlbekannten Kanal zu etwas Höherem öffnen können. Auch wenn ich gemeint hätte, ich hätte genau diesen Kanal nicht nötig gehabt. Offenbar hat es manchmal auch auf diese Art einen besonderen Sinn. Das gehört dazu zur relativen Wahrheit.

  20. PinkPanther sagt:

    @Yeti: Siehst Du, und darum fände ich es ok, wenn Therapiekosten aus dem Kirchenbeitrag gesponsert würden 😉

  21. Yeti sagt:

    @PinkPanther:

    Nein, vielmehr sollte man die Kirchen aus der Krankenkasse stützen.

    So nach dem Motto: kommt ein Mann zum Pfarrer und regt sich darüber auf, dass die Messbesucher furchtbare Menschen sind, sie stehlen, sie betrügen, sie unterdrücken arme Leute etc.
    Sagt der Pfarrer: Jetzt stell‘ Dir einmal vor, wie die erst wären, wenn sie NICHT in die Kirche gehen.

    😉

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